4. Februar 2009
Die Weltwirtschaftskrise ist da. Und die sogenannten Entwicklungsländer werden am meisten darunter leiden - und hier vor allem afrikanischen Länder südlich der Sahara.
Immer mehr afrikanische Staaten sind politisch stabil (wenn auch nicht nach unseren Maßstäben demokratisch). Nach Jahrhunderten der Fremdbestimmung und Ausbeutung wäre eine allmähliche Entwicklung hin zu gleichberechtigten Wirtschaftspartnern möglich. Die Wirtschaftskrise wird diese Entwicklung voraussichtlich nicht nur hemmen, sondern sogar umkehren. Charles Collyns, stellvertretender Direktor der IWF-Forschungsabteilung, führt aus, dass die afrikanischen Länder weniger Spielraum für Stimuluspakete als die Industrie- und Schwellenländer haben: "Angesichts der weniger entwickelten Kapitalmärkte und der Schwächeren finanzpolitischen Systeme müssen afrikanische Staaten sehr vorsichtig sein, bevor sie große Finanzpakete verabschieden."
Noch sind viele afrikanische Staaten nicht stark genug, um selbständig wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Noch benötigt Afrika Hilfe zur Selbsthilfe. Reine Hilfslieferungen lösen keine Probleme langfristig. Wichtig ist es, die Ausbildung von Fachkräften, die Grundversorgung der Menschen und ihre Gesundheit so lange zu stützen, zu fördern und zu verbessern, bis eine Ebene erreicht ist, von der an Afrika autark und ohne Hilfe von außen sich selbst entwickeln kann. So stellt sich nachhaltige Entwicklungshilfe dar.
Die Wirtschaftskrise führt dazu, dass diese Hilfe reduziert und in manchen Bereichen sogar eingestellt werden muss. Private Spenden brechen weg, Firmen leisten sich keine Sponsorentätigkeit mehr, wenn das Unternehmen sparen muss.
Es steht auch zu befürchten, dass die offizielle staatliche Entwicklungshilfe der Industrienationen reduziert wird – obwohl diese Hilfe im Vergleich zu den Summen, die für den Kampf gegen die Finanzkrise eingesetzt wird, ohnehin nur „bescheiden" ist (Aussage von Weltbank-Chefökonom Justin Lin).
Ende November hat die UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung stattgefunden. Sarkozy und Barroso waren die einzigen Spitzenvertreter von Industrienationen, die daran teilgenommen haben. Hilfsorganisationen kritisieren diesen Umstand und befürchten, dass die Weltwirtschaftskrise eventuell einen guten Vorwand für die reichen Länder bieten könnte, sich ihrer Verantwortung zur Entwicklungshilfe zu entziehen.
Das Pro-Kopf-Einkommen in Äthiopien lag 2005 bei 112,00 US-Dollar - pro Jahr, wohlgemerkt. Auf 32.500 Einwohner kommt dort statistisch gesehen ein Arzt. Zum Vergleich: in Österreich ist das Verhältnis 230 zu 1. Grundnahrungsmittel wie Maismehl und Tomaten sind in den Ländern südlich der Sahara in den letzten Monaten bis zu 500 % teurer geworden. Derzeit kann sich nur einer von fünf Kenyanern zwei Mahlzeiten am Tag leisten. Die UNO prognostiziert eine Milliarde Hungernde weltweit im Jahr 2009.
Während sich also die Lebensumstände für die Afrikaner dramatisch verschlechtern, sinkt gleichzeitig die Spendenbereitschaft bei uns. Alle Fortschritte der letzten Jahre stehen auf dem Spiel. Noch ist Afrika nicht autark, noch kann das ganze System kippen.
Daher unsere dringende Bitte: Afrika nicht vergessen!







